Das Gelände der Waldkita Nordeck: ein Tipi zwischen hohen Bäumen

Offener Brief an die Stadtverordneten von Allendorf (Lumda)

Rettet die Waldkita Nordeck!

Die Kommune Allendorf (Lumda) plant im Rahmen ihres Haushaltssicherungskonzeptes die Waldkita Nordeck zu schließen. Warum das ein Schritt in die falsche Richtung wäre, erfahren Sie in unserem offenen Brief an die Stadtverordneten.

22.09.2026
Entscheidung der
Stadtverordnetenversammlung
31.07.2027
geplante Schließung

Worum es geht

Vier Punkte, die wir den Stadtverordneten aufzeigen

  1. Waldkita-Plätze sind nicht durch Hauskita-Plätze ersetzbar

    Viele Kinder in der Waldkita sind dort, weil es ihnen in Hauskitas nicht gut ging. Gerade im Bereich Inklusion bietet die Waldkita Möglichkeiten, die die beste Hauskita nicht bieten kann.

  2. Der Sparplan trifft behinderte Kinder und ihre Eltern unverhältnismäßig hart

    Ihnen stehen lange Fahrzeiten, Verdienstausfälle und schlechtere Bildung und Förderung der Kinder bevor. Von keiner anderen Gruppe in unserer Stadt wird ein vergleichbares Opfer gefordert.

  3. Die Schließung ist nicht der einzige Weg zu sparen

    Die vorliegenden Zahlen werfen viele Fragen auf, etwa zur enormen Kostendifferenz zwischen den Hauskitas. Das laufende Gutachten zur Kostenstruktur des Trägers sollte abgewartet werden, bevor fundiert entschieden wird.

  4. Es gibt Alternativen, die noch nicht geprüft wurden

    Kooperation mit benachbarten Kommunen, ein alternativer Träger, Sponsoring über Drittmittel. Wer die Schließung jetzt vorschnell beschließt, gibt solchen Alternativen keine Chance.

Drei Kinder, drei Geschichten

Was die Waldkita kann, was eine Hauskita nicht kann

Jedes Kind ist anders und hat andere Bedürfnisse. Es braucht verschiedene Konzepte, damit jedes Kind seinen Platz finden kann. Eltern erzählen, aus dem offenen Brief.

Ein flacher Bachlauf im Wald, gesäumt von umgestürzten Baumstämmen und dichtem Grün

Von „schwer sozialisierbar“ zu einem ausgeglichenen Kind

Im Hauskindergarten wurde meine Tochter als schwer verhaltensauffällig beschrieben. Sie schlug und biss andere Kinder, eckte ständig an und es hieß, sie sei schwer sozialisierbar und brauche eine Integrationskraft.

Als wir in den Waldkindergarten wechselten, hat sich alles verändert. Wo vorher vor allem ihr schwieriges Verhalten gesehen wurde, wurde hier endlich meine Tochter gesehen – mit all ihren Bedürfnissen und dem, was wirklich hinter ihrem Verhalten steckte.

In nur einem Jahr hat sie eine Entwicklung gemacht, die ich mir früher niemals hätte vorstellen können: Heute ist sie eine ausgeglichene, fröhliche und offene kleine Seele, die Freundschaften schließt und endlich ihren Platz gefunden hat. Für meine Tochter ist der Waldkindergarten nicht einfach nur ein Betreuungsort – er ist der Ort, an dem sie aufblühen durfte.

Der Wald bietet Kindern Möglichkeiten, die ein geschlossener Gruppenraum nicht ersetzen kann: Sie können Abstand gewinnen, sich bewegen, zurückziehen, Konflikte entzerren und wieder zueinander finden, ohne ständig begrenzt und reguliert werden zu müssen.

Hohe Buchenstämme, an die Kinder Äste zu einem Unterstand gelehnt haben

Wie der Wald zum besten Therapeuten meines Sohnes wurde

Inklusion ist nicht überall gleich. Mein Sohn mit Behinderung ist das beste Beispiel dafür, dass wir sowohl klassische Hauskitas als auch Waldkitas brauchen.

Wir sind in die Waldkita gewechselt, weil er Reize anders verarbeitet und die Natur ihn reguliert. Im Wald muss er nicht mehr mit seiner Reizverarbeitung kämpfen, sondern kann sich endlich auf das Lernen und Spielen konzentrieren.

Auch körperlich passiert Erstaunliches: Die viele Bewegung auf dem unebenen Waldboden hilft seiner Muskelschwäche so sehr, dass seine wöchentliche Physiotherapie überflüssig geworden ist. Das schenkt ihm einen zusätzlichen Tag in der Kita und mir als Mutter einen weiteren Vormittag, an dem ich arbeiten kann.

Wir lieben unsere alte Hauskita sehr – aber dieses besondere Umfeld, das mein Sohn jetzt braucht, finden wir nur im Wald.

Eine von Kindern aus Ästen gebaute Hütte auf dem Gelände der Waldkita

Endlich Waldruhe und vielseitige Natur, die zum Spielen anregt

Unser Sohn ist sehr wissbegierig, aber auch introvertiert und schnell überreizt. In der klassischen Hauskita litt er stark unter dem Lärm, der ständigen Nähe zu Menschen und dem Mangel an echten Rückzugsorten. „Mir ist das zu laut“, sagte er uns jeden Tag, „und ich will mehr raus“.

Der Wechsel in die Waldkita war für uns die Rettung: Durch das weitläufige Gelände ist die Lautstärke überhaupt kein Thema mehr.

Im Wald findet er sowohl Raum, um sich mit anderen Kindern auszuprobieren und Neues zu entdecken, als auch die nötige Ruhe, um nach eigenem Bedürfnis Abstand zu gewinnen. Er wird hier in seiner Introvertiertheit verstanden und darf einfach so sein wie er ist.

Im Morgenkreis lernen die Kinder einzelne „Wörter“ in der Gebärdensprache, die dadurch selbstverständlich für unsere Kinder wird. Die Waldkita ist ein Beispiel für gelebte Inklusion, die ich so unaufgeregt bisher nur im Wald gefunden habe.

Alle drei Geschichten vollständig im offenen Brief (PDF), Seiten 2–4.

Unser Appell

Bitte schließen Sie die Waldkita Nordeck nicht.

Wenn Sie nicht vollständig von dem Vorhaben absehen können, dann schließen Sie die Waldkita zumindest nicht zum 31.07.2027, sondern verschieben Sie die Entscheidung um ein Jahr bis zum 31. Juli 2028 und prüfen Sie Alternativen: gemeinsamer Betrieb mit Nachbarkommunen, Sponsoring, ein alternativer Träger, ein Nachmittagsangebot, das Ergebnis des laufenden Gutachtens.

Danke, dass Sie sich unserem Anliegen annehmen.
Ihre Eltern der Waldkita Nordeck

Offener Brief

Zur geplanten Schließung des Waldkindergartens

8 Seiten · · PDF

Brief lesen

Ein Gedicht einer Mutter

Wo der Atem Wolken malt und Kinder einfach sein dürfen

Unser Waldkindergarten ist so viel mehr als ein Kindergarten unter freiem Himmel. Er bedeutet, den Frühling nicht nur auf Bildern zu sehen, sondern zu spüren, wie die Erde nach dem Winter riecht. Den Sommer mit warmen Wangen und nackten Füßen zu erleben. Im Herbst durch raschelndes Laub zu laufen, den Wind im Gesicht zu spüren und Kastanien in kleinen Händen nach Hause zu tragen. Und im Winter zu erleben, wie sich Kälte anfühlt, wie Schnee unter den Schuhen knirscht und der Atem kleine Wolken in die Luft malt.

Bei Wind. Bei Regen. Bei Sonne. Bei Schnee.
Denn Natur ist nicht immer bequem – und genau das ist so wertvoll.

Moos unter den Fingern. Erde zwischen den Händen. Den Duft von nassem Holz. Vogelgezwitscher. Matsch an den Stiefeln. Kälte auf der Haut. Sonne im Gesicht.

Im Wald lernen Kinder ganz nebenbei: Geduld. Mut. Selbstständigkeit. Rücksicht. Staunen. Verantwortung. Und dass nicht alles sofort passieren muss.